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Erhöht Kaffee den Blutdruck?

Wäre es nicht schön, wenn die tägliche Tasse Kaffee auch noch vor Demenz und Alzheimer schützen würde? Tatsächlich gibt es einige Studien, die genau das zu belegen scheinen. Doch wie zuverlässig sind diese Studien? Kann Kaffee wirklich gegen Alzheimer und Demenz schützen?

Autor: Stefan Vogt – Wissenschaftlicher Redakteur
Geprüft durch: Dr. med. Bernd Rensing – Mediziner

Was zeigen die Studien? Erhöht Kaffee den Blutdruck? 

Ob Kaffee den Blutdruck erhöht, wurde bereits in den 1930er Jahren untersucht. Hier wurde noch die blutdrucksteigernde Wirkung von Kaffee betont, während dieser Effekt 1978 in der Forschung angezweifelt wurde.

Kein Zusammenhang zwischen Kaffee-Konsum und Blutdruck?

Neuere und größere Studien können größtenteils keinen Zusammenhang zwischen Kaffee und erhöhtem Blutdruck feststellen: In einer prospektiven Kohortenstudie mit 155.594 US-amerikanischen Frauen, wurde beispielsweise über 12 Jahre untersucht, ob koffeinhaltige Getränke wie Kaffee einen Einfluss auf ihren Blutdruck haben. Das Ergebnis: Es konnte kein Zusammenhang zwischen Kaffee-Konsum und der Entstehung von Bluthochdruck festgestellt werden.

Kurzzeitige Erhöhung des Blutdrucks, wenn du Kaffeetrinken nicht gewöhnt bist

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch andere Studien. Langanhaltende Auswirkungen auf den Blutdruck lassen sich nicht feststellen. Zwar kann es bei Menschen, die Kaffeetrinken nicht gewohnt sind, kurzzeitig zu einer Erhöhung des Blutdrucks kommen, aber es entwickelt sich sehr schnell eine Toleranz, wenn der Koffein-Konsum beibehalten wird: Nach nur 2 Wochen hat der Kaffee keinen Effekt mehr auf den Blutdruck. Auch die Analyse der Daten von 13.374 spanischen Universitäts-Absolventen in der sogenannten SUN-Studie konnte weder für koffeinhaltigen noch für entkoffeinierten Kaffee eine Auswirkung auf den Blutdruck feststellen.

Einzig die Daten von über 1.000 männlichen ehemaligen Medizin-Studenten, die über 33 Jahre gesammelt wurden, lassen einen Einfluss von Kaffee auf den Blutdruck erkennen — allerdings nur einen sehr geringen. Die Forscher kommen daher ebenfalls zu dem Schluss, dass Kaffee bei der Entwicklung von Bluthochdruck kaum eine Rolle spielt.

Eine australische Studie kommt allerdings zu dem Schluss, dass man nicht mehr als sechs Tassen Kaffee pro Tag trinken sollte, da sonst das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Allerdings wird in der Studie nicht klar, wie viel eine Tasse Kaffee genau ist und auf welche Art der Kaffee zubereitet wurde. Außerdem konnte nur ein Zusammenhang festgestellt werden, was jedoch nicht bedeutet, dass der hohe Kaffee-Konsum wirklich Auslöser des erhöhten Risikos für Bluthochdruck ist. Es könnte auch genauso sein, dass Menschen, die mehr als 6 Tassen Kaffee täglich trinken, auch mehr Stress in ihrem Alltag haben oder weniger schlafen und dadurch der Blutdruck steigt.

 

 

 

META:

ähnlich wie auch noch in einer Ende der 1990er Jahre veröffentlichten Meta-Analyse von 11 klinischen Studien: Die Forscher kommen darin zu dem Fazit, dass es eine anhaltende Beziehung zwischen dem Kaffee-Konsum und einem Anstieg des Blutdrucks gebe.

Eine Meta-Analyse von 16 randomisierten Kontrollstudien kam 2005 zu dem Ergebnis, dass die regelmäßige Einnahme von Koffein den Blutdruck erhöht. Allerdings ist dieser Effekt sehr gering, wenn die Koffein-Aufnahme in Form von Kaffee geschieht.

 

Kritik an den Studien zu Kaffee und Blutdruck

kurzer Untersuchungszeitraum und geringe Teilnehmerzahl bei älteren Studien

Winkelmann-Studie nur an Frauen – gibt es bei Männern auch keinen Zusammenhang?

Meta-Studie: Tasse nicht internationalisierbar

kein kausaler Zusammenhang

Ein verwirrendes Problem bei solchen prospektiven Studien besteht jedoch darin, dass Personen mit erhöhtem Blutdruck geraten werden könnte, ihren Kaffeekonsum zu mäßigen, was sich auf die Ergebnisse auswirken könnte.

Discussion: Blood pressure response to chronic intake of coffee.pdf

Der hypertensive Status, die genetische Anfälligkeit für Bluthochdruck und die Wechselwirkungen mit Rauchen und psychischem Stress können ebenfalls wichtig sein.

Erstens ist es wahrscheinlicher, dass die Kombination von Nährstoffen und Chemikalien aus der Gesamtnahrung größere Auswirkungen auf die Gesundheit hat als einzelne Komponenten allein.

Es ist gut belegt, dass psychologischer Stress das Essverhalten beeinflusst, und es ist möglich, dass die Exposition gegenüber täglichen Stressfaktoren teilweise den Kaffeetrinkgewohnheiten zugrunde liegt. Darüber hinaus gibt es eine große Vielfalt an Zubereitungsmethoden, Quellen und Arten von Kaffee, was Vergleiche zwischen Studien aus verschiedenen Regionen erschwert. Tatsächlich könnte die zunehmende Verwendung der Filtermethode im Laufe der Zeit zu einer geringeren Exposition gegenüber atherogenen Kaffeelipiden geführt haben,20 was die Verschiebung des Gleichgewichts hin zu einem gesünderen Kaffee erklären könnte. Auch die Verwendung von Milch, Sahne oder anderen Zusätzen und die Frische der Kaffeebohnen können sich kritisch auf die Ergebnisse auswirken. Drittens können Querschnittsbeobachtungen durch ungenaue Messungen der Kaffeeaufnahme verfälscht werden, aber RCTs, die versuchen, die Teilnehmer für die experimentelle Bedingung zu verblenden, sind eine Herausforderung, da es schwierig ist, den Geschmack, das Aroma und andere körperliche und geistige Hinweise des Getränks zu überdecken.

Ein letzter Punkt betrifft die Abgrenzung der Wirkung verschiedener aktiver Komponenten im Kaffee. Es wurde geschätzt, dass Kaffee aus über 2000 Verbindungen besteht.

https://www.nature.com/articles/1002076

Kritik an den Studien

Oberflächlich betrachtet, scheint damit ja alles klar zu sein: Wenn so viele Studien auf eine schützende Wirkung von Kaffee gegen Demenz und Alzheimer hinweisen, sollten wir dann nicht alle ein bis zwei Tassen Kaffee täglich trinken?

Diese Studien können Ursache-Wirkung nicht beweisen

So einfach ist es leider nicht. Grundsätzlich sind Meta-Analysen wie die chinesische zwar in ihrer Beweiskraft weit oben anzusiedeln, aber bei den hier analysierten Studien handelt es sich größtenteils um sogenannte prospektive Kohortenstudien. Diese Studienart ist lediglich dazu geeignet, Zusammenhänge (Korrelationen) aufzuzeigen, ist aber nicht in der Lage, eine Ursache-Wirkung-Beziehung (Kausalität) zu beweisen. 

Somit lässt sich zwar sagen, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen einem geringeren Risiko für Demenz und ein bis zwei Tassen Kaffee täglich gibt, aber wir wissen nicht, ob der moderate Kaffee-Konsum auch wirklich die Ursache für das geringere Demenz-Risiko ist.

Es könnte zum Beispiel sein, dass moderate Kaffee-Trinker auch sonst gesünder leben als diejenigen, die gar keinen Kaffee oder mehr als zwei Tassen am Tag trinken. Der Kaffee-Konsum könnte dabei nur ein zufälliges gemeinsames Merkmal sein, das in Wirklichkeit gar keine schützende Wirkung auf das Gehirn hat.

Wer genau hinsieht, entdeckt die Mängel

Wenn du dir die Studien genauer ansiehst, kannst du außerdem verschiedene Mängel in der Durchführung entdecken. Schauen wir uns zum Beispiel die chinesische Meta-Analyse an, in der die Ergebnisse verschiedener Studien aus unterschiedlichen Ländern analysiert und zusammengeführt wurden: In den meisten Studien wurden die Teilnehmer nur einmal am Anfang gefragt, wie viele Tassen Kaffee sie täglich trinken. Ob das der Wahrheit entsprach und ob die Studienteilnehmer ihren Konsum während des Untersuchungszeitraums nicht verändert haben, wurde nicht überprüft. Außerdem ist “eine Tasse” keine Menge, die sich international gut vereinheitlichen lässt. In Deutschland entspricht eine Tasse etwa 125 Millilitern, während darunter in den USA circa 236 Millilitern verstanden werden.

Nicht mehr als ein bis zwei Tassen Kaffee täglich?

Auch die Studien, wonach mehr als ein bis zwei Tassen Kaffee täglich das Risiko für Demenz und Alzheimer wieder erhöhen, sind mit der gebotenen Vorsicht zu betrachten. Beispielsweise ist die Methode der genannten italienischen Studie ebenfalls nicht in der Lage, eine Ursache-Wirkung-Beziehung zu beweisen.

Das trifft auch auf andere Studien zu, die sich mit derselben Fragestellung beschäftigen und den Ergebnissen der italienischen Studie teilweise zu widersprechen scheinen. So titelte die ZEIT im Sommer 2009: “Fünf Tassen Kaffee gegen Alzheimer”. Dabei bezog sich der Artikel vor allem auf zwei Studien an Mäusen, die zu dem Fazit kamen, dass ein hoher Koffein-Konsum (auf Menschen umgerechnet etwa fünf Tassen Kaffee täglich) bei den Tieren sogar eine bestehende Alzheimer-Erkrankung lindern konnte.

In dem ZEIT-Artikel klingt es leider so, als seien die Studien-Ergebnisse ein Beweis für die Wirksamkeit von Kaffee bzw. Koffein gegen Alzheimer, obwohl diese Studien das gar nicht leisten konnten — zumal sie an Mäusen durchgeführt wurden. Leider ist diese unreflektierte Art der Berichterstattung über Gesundheitsthemen sehr häufig vorzufinden und führt bei Lesern, die sich nicht auskennen, schnell zu Verunsicherung.

Schadet Kaffee dem Gehirn sogar?

Interessanterweise gibt es auch einige Medien-Berichte, die gar keine Schutzwirkung von Kaffee, sondern das genaue Gegenteil behaupten: Täglicher Kaffee-Konsum schade dem Gehirn und erhöhe das Risiko für Demenz und Alzheimer. Diese These konnte jedoch in verschiedenen Beobachtungsstudien und Kohortenstudien nicht bestätigt, sondern auch hier eher ein Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für Alzheimer und Demenz ausgemacht werden. Natürlich gilt hier ebenso, dass die Qualität dieser bisherigen Studien nicht ausreicht, um zu einem verlässlichen Ergebnis zu kommen.

Wir wissen, dass wir (noch) nichts wissen

Eine weitere systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, in die zwei Fall-Kontroll-Studien und neun Kohortenstudien integriert waren, bringt den bisherigen wissenschaftlichen Kenntnisstand auf den Punkt: Zwar konnte die Forschungsarbeit eine Tendenz aufzeigen, dass Koffein vor Demenz und Alzheimer schützen könnte. Allerdings weist die Arbeit auch darauf hin, dass es bislang nur eine überschaubare Anzahl guter Studien gibt, die sich mit der Wirkung von Kaffee oder Koffein auf das Gehirn beschäftigen. Zudem sind deren Methoden, Fragestellungen und Patientengruppen sehr unterschiedlich — und damit schwer vergleichbar.

Fazit: Schützt Kaffee vor Demenz und Alzheimer?

Was bedeutet das jetzt also für deine täglichen Tassen Kaffee? Wie wir gesehen haben, gibt es tatsächlich Hinweise darauf, dass ein bis zwei Tassen Kaffee täglich eine schützende Wirkung gegen Demenz und Alzheimer haben könnten. Soweit das Positive, nun zum großen Aber: Die bisherigen Studien weisen noch entscheidende Mängel auf und können lediglich auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Kaffee und der Schutzwirkung gegen Demenz und Alzheimer hindeuten. Dass Kaffee wirklich die Ursache der Schutzwirkung ist, können sie nicht beweisen. Es sind also noch weitere, bessere und aufwendigere Studien nötig, um die Beweiskraft (Evidenz) der Schutzwirkung von Kaffee gegen Demenz und Alzheimer zu verbessern. 

Quellen und Studien
  1. Lei Wu et al. (2017): Coffee intake and the incident risk of cognitive disorders: A dose-response meta-analysis of nine prospective cohort studies. In: Clin Nutr. 2017 Jun; 36(3): S. 730-736.
  2. Karen Ritchie et al. (2007): The neuroprotective effects of caffeine. A prospective population study (The Three City Study). In: Neurology. 2007 Aug 7; 69(6): S. 536-545.
  3. G.W.Arendash et al. (2006): Caffeine protects Alzheimer’s mice against cognitive impairment and reduces brain beta-amyloid production. In: Neuroscience. 2006 Nov 3; 142(4): S. 941-952.
  4. Hiroshi Yoshimura (2005): The Potential of Caffeine for Functional Modification from Cortical Synapses to Neuron Networks in the Brain. In: Curr Neuropharmacol. 2005 Oct; 3(4): S. 309–316.
  5. Vincenzo Solfrizzi et al. (2015): Coffee Consumption Habits and the Risk of Mild Cognitive Impairment: The Italian Longitudinal Study on Aging. In: Journal of Alzheimer’s Disease, 2015, Vol. 47,No. 4: S. 889-899.
  6. C. Santos et al. (2010): Caffeine intake and dementia: systematic review and meta-analysis. In: J Alzheimers Dis. 2010;20 Suppl 1: S. 187-204.
  7. Y.-S. Kim et al. (2015): Caffeine intake from coffee or tea and cognitive disorders: a meta-analysis of observational studies. In: Neuroepidemiology. 2015; 44(1): S. 51-63.
  8. QP Liu et al. (2016): Habitual coffee consumption and risk of cognitive decline/dementia: A systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. In: Nutrition. 2016 Jun;32(6): S. 628-636.
  9. Chuanhai Cao et al.: Caffeine suppresses amyloid-beta levels in plasma and brain of Alzheimer’s disease transgenic mice. In: J Alzheimers Dis. 2009; 17(3): S. 681-697.
  10. Gary W. Arendash et al.: Caffeine reverses cognitive impairment and decreases brain amyloid-beta levels in aged Alzheimer’s disease mice. In: J Alzheimers Dis. 2009; 17(3): S. 661-680.

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